Ein Rechtsstreit und seine Folgen...

Am 21. April 2016 ging eine Schockwelle durch die Verlagswelt. Nach einem langen Rechtsstreit, kam das BGH zu einem endgültigen Ergebnis zum Rechtsstreit, um die Ausschüttung der VG Wort an Verlage. Diese haben keinen Anspruch auf einen Anteil an der Ausschüttung.

Um was genau ging es in diesem Rechtsstreit eigentlich? Im Dezember 2011 reicht Martin Vogel (Autor) eine Klage gegen die VG Wort (Verwertungsgesellschaft) ein. Er findet die Beteiligung der Verlage an den gesetzlich festgelegten Vergütungsansprüchen von Autoren an ihren Werken für unrechtmäßig. Zuvor bekamen Verlage an diesen Ausschüttungen die hälfte der Anteile.

Was bedeutet das für die Verlage?
Für Verlage sind diese Ausschüttungen fester Bestandteil der Einnahmen, die in ihre Kalkulationen eingerechnet werden. Vor allem kleine und mittelständische Verlage sind also von diesen Ausschüttungen abhängig. Folgen des Urteils sind, dass Verlage die von diesem Urteil betroffen sind ca. 20 bis 200 Prozent ihres durchschnittlichen Jahresgewinns zurückzahlen müssen UND in Zukunft diese Ausschüttungen nicht mehr erhalten. Was zur Folge hat, dass alleine durch diese Rückzahlungen eine Vielzahl an Verlagen Insolvenz anmelden müssten. Selbst wenn eine Übergangslösung umgesetzt wird, an der der Börsenverein händeringend arbeitet, auch in Zukunft wird ein wichtiger Teil der Einnahmen der Verlage einfach wegfallen. Doch Geld wächst bekanntlich nicht auf Bäumen! Und wenn an einer Stelle Geld fehlt, muss dies an einer anderen Stelle auch kompensiert werden. Heißt: Programmkürzungen, verringerte Autorenhonorare, höhere Buchpreise...

Was bedeutet für die gesamte Branche? Das hat somit nicht nur Folgen für die Verlage, sondern auch für die ganzen Branche. Peter Meyer schreibt in seinem Artikel im Börsenblatt vom 28. April 2016: „Da hat einer mit seiner Klage die Äste abgesägt, auf denen so viele Autoren sitzen.“ Und er hat Recht! Seine Autoren-Kollegen können sich in Zukunft bei Martin Vogel bedanken, wenn Sie schlechtere Vertragskonditionen bekommen, wenn Autoren keinen Verlag finden, weil Verlage kein Risiko eingehen wollen. Leser dürfen sich ebenfalls bei ihm bedanken, wenn weniger Titel im Verlag erscheinen und die Vielfalt der Titel nachlässt, die Preise der Titel steigen oder eine schlechtere Qualität aufweisen. Genauso dürfen sich bei ihm alle bedanken, die in einem Verlag tätig sind. Denn hier wird es zur Folge haben, dass Personalkosten gekürzt werden müssen. Herzlichen Dank, Herr Vogel!

Was dazu kommt: Meiner Meinung nach haben auch Verleger eine Art Urheberrecht an ihren Titeln. In Verlagen wird so viel Herzblut, Zeit und Aufwand in die Bücher gesteckt. Meist wird mehr Zeit für das Verlegen in Anspruch genommen, als das eigentliche Schreiben. Texte werden teilweise so weit überarbeitet, dass kein Wort mehr auf dem anderen sitzt. Unzählige Coverentwürfe werden gestaltet, bis genau das richtige dabei ist. Die Text werden gesetzt und gelayoutet. Auflagen und Stückpreise werden kalkuliert. Hersteller tüfteln die am besten passendste Ausstattung aus. Im Marketing wird überlegt wie man das Buch am besten den Lesern schmackhaft machen kann. Der Vertrieb setzt sich für die Bücher bei Buchhändlern und Vertretern ein. Und noch viel mehr... und meist wissen das Leser oft gar nicht zu schätzen oder wissen es schlichtweg einfach nicht, was alles dahinter steht. Und einige Autoren offensichtlich auch nicht.

Verleger und deren Angestellte sind nicht einfach nur ein Mittel zum Zweck für deren Autoren. Sie sind genauso ein Teil des Herzens des Branche und haben einen Teil dieses hart erarbeiteten Geldes verdient! 

Kommentare:

  1. Ich habe in einem Artikel gelesen, dass insgesamt sowieso nicht in Herrn Vogels Sinne entschieden wurde... was natürlich blanker Hohn ist, denn Herr Vogel bekam nicht, was er speziell wollte und die Verlagswelt hat nun ein Problem. Aber an sich stimmt es schon: Wenn es gesetzlich nicht geregelt ist, kann nicht anders entschieden werden. Leider haben das sämtliche Beteiligte verschlafen, dass man diesen Missstand hätte ausbessern müssen, als es noch ging und jetzt muss die laaaaaaaaaaangsaaaaaame Politik ran...

    LG und danke für den Beitrag ;)

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    1. Ich denk mir bei dem ganzen Schlamassel aber auch, sollte es überhaupt möglich sein das ein Mensch so viel Schaden durch eine Klage anrichtet? Ich finde nein.

      Gerne doch ♥

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