Schöne Bücher #1 | Gute Bücher = Schöne Bücher?

Für Bücherfreunde ist jedes Buch nicht einfach nur ein Buch wie jedes andere. Das war für mich auch nie anders. Doch erst seit ich im März diesen Jahres mit meinem Mediapublishing Studium an der Hochschule der Medien Stuttgart anfing, habe ich mich erst wirklich intensiv mit schönen Büchern auseinandergesetzt. Was macht ein schönes Buch aus? Sind inhaltlich gute Bücher auch automatisch schöne Bücher? Ist die Schönheit eines Buches subjektiv? In dieser Beitragsserie möchte ich mich mit genau dieser Fragen auseinandersetzen. Was sind schöne Bücher?

Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass meine Aussagen "wissenschaftlich" richtig oder vollständig sind. Dies ist lediglich ein Versuch zu zeigen, was schöne Bücher ausmacht. Genauso möchte ich betonen, dass ich keinesfalls ein Experte auf diesem Gebiet bin, sondern mich einfach gerne mit der Buchherstellung und verlegerisch schönen Büchern auseinandersetze.


Das beste Buch ist das, welches dem Leser seinen eigenen Reichtum fühlbar macht.
(Waldemar Bonsels, Menschenwege)

Ich finde dieses Zitat beschreibt genau was ein Buch ausmacht. Hier wird nicht definiert dieses oder jenes ist das beste Buch. Nein, das beste Buch ist für jeden Leser anders. Denn der Reichtum eines Buches kann inhaltlich oder haptisch sein. Fühlbar heißt ja nicht, dass es geprägt, vergoldet und mit Leinen bezogen sein muss. Fühlbar kann auch ein guter Inhalt sein. Fühlbar kann ein besonders guter Lesefluss sein. Das macht den Reichtum eines Buches aus.

Doch wie kann man dann schöne Bücher von guten Büchern und von den besten Büchern abgrenzen? Ich glaube das muss jeder für sich entscheiden. Denn jeder hat ein anderes Schönheitsideal, auch bei Büchern. Trotzdem können bestimmte Faktoren schöne Bücher schön machen.

links mit Serifen,
rechts ohne Serifen
  • Typografie & Textgestaltung
    Eine gut lesbare Schriftart ist das A und O jedes Buches, egal ob schön oder nicht. Es gibt unzählige Schriftarten die gut lesbar sind, doch die richtige für den jeweiligen Inhalt zu finden ist die Kunst. Bei der Frage ob serifenlos oder mit Serifen scheiden sich auch immer die Geister. Als Faustregel kann man  sagen, dass Serifenschriftarten im Fließtext besser lesbar sind, da die Serifen den Lesefluss unterstützen. Andersherum sollen serifenlose Schriftarten die Lesbarkeit an Bildschirmen fördern. Doch jede Ausnahme bestätigt eben auch die Regel. Genauso Kapitelüberschriften, Absätze, Blocksatz oder Flattersatz? Das alles sind Faktoren die den Lesefluss stören und das Auge isst ja bekanntlich mit... oder liest mit in diesem Fall.
  • Cover
    Ein noch so aufwändig gestaltetes und schönes Buch ist nichts, ohne ein passendes Cover. Und genauso bringt es gar nichts wenn das Cover wunderschön ist, aber nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Manchmal gilt auch hier, je weniger desto besser. Bei Covern kann aber nicht nur mit Bildern gearbeitet werden. Auch typografische Cover können wunderschön und passend sein. Mit Schrift und Buchstaben zu spielen macht das Cover zu etwas besonderem.
  • Ausstattung
    Zur Ausstattung eines Buches gehören Faktoren wie der Einband - Hardcover, Taschenbuch oder Broschiert? Genauso aber auch Verzierungen und Beschichtungen - Lackierung, Folien, Prägung...? Oder ein Lesebändchen, oder Umschlag? Aber der falsche Weg wäre einfach alles zu nehmen. Es muss immer abgewägt werden, ob es erstens zum Inhalt und dem Buch passt und zweitens, der wichtigste Punkt, rentiert sich das? Man kann kein Hardcover Buch, mit Lesebändchen, Goldfolie und Prägung und Umschlag und runden Ecken und und und... für den Preis eines Taschenbuchs verkaufen und erwarten das man am Ende mit Gewinnen raus kommt. Auch ein Verlag ist ein Unternehmen.
  • Buchschnitt
    Auch wie ein Buch geschnitten (oder unbeschnitten?) ist kann ein Buch zu etwas besonderem machen. Ein gutes Beispiel für ein unbeschnittenen Buchblock sind die englischen Hardcover Ausgabe von "The Wrath and the Dawn" oder "Queen of the Tearling". Zu beiden Büchern passt der ungeschnittene Buchblog. Außerdem gibt es Verfahren, mit denen man den Buchschnitt mit Folie veredelt. "Magisterium" ist ein gutes Beispiel hierfür.

Natürlich gibt es noch viel mehr Faktoren und Sachen die man beachtet bei Herstellung eines Buches.  Dies soll lediglich ein Denkansatz geben. Und nicht alles ist festgelegt. Auch wenn man noch so viele Faktoren beachtet und plant, kann auch ein wunderschönes Buch nicht immer die Aufmerksamkeit erlangen, die es vielleicht verdient.






In Teil zwei geht es um das Verlagsmeisterstück "S. - Das Schiff des Theseus" vom Kiepenheuer & Witsch Verlag. Was macht dieses Buch zu etwas Besonderem?


Alle erschienen Beiträge der Reihe:

1 Kommentar:

  1. also ich muss als erstes Mal ein bisschen klugscheißen :D
    zum einen: schäm dich, dass du als Zweitsemester n Paperback "broschiert" nennst, das machen doch sonst nur die Leute, die nich wissen, dass es ne Buchpreisbindung gibt :DD n Taschenbuch ist nämlich auch ne Broschur, Broschur ist alles ohne Festeinband. Wie man das was dann eben ne größere Broschur ist (also Paperback, was aber ja auch n blöder Begriff ist xD) nennen mag, ist so ne Frage... :D
    und zum anderen heißt das gar nicht wirklich Buchschnitt, da hab ich mal Herr Ruta gefragt :DD sind halt einfach die Schnittkanten (aka Kopfschnitt, Fußschnitt, Außenschnittkante xD). Man sagt höchstens Farbschnitt, wenn es halt farbig gemacht wurde. Und das was du meinst ist nicht komplett unbeschnitten weil dann würdest du die Seiten nicht umschlagen können :D aber es ist eben nicht komplett eben geschnitten wie es üblich ist, sondern länger gelassen, wodurch es unregelmäßig wird. Ich wüsste grad spontan aber gar nicht wie man das maschinell machen könnte... :o
    ansonsten: ich find diese Postreihe großartig :D schöne Bücher, darüber kann man immer schreiben :33

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