Kurzgeschichte: Große Träume, kleines Mädchen

Große Träume, kleines Mädchen

Ich rannte die Treppenstufen meiner Schule hoch, als ich fast mit Igor Dominick zusammengestoßen wäre. „Na, na aufpassen Cindy.“, sagte er „weißt du nicht dass die erste Ballettstunde ausfällt?“ Ich fragte verdattert: „Warum, ist Madame O’Donnell denn krank?“ „Nein, aber ich komme gerade von der Besprechung die ich mit ihr hatte.“ Er sagte im vorbeigehen noch ein kurzes „Tschüß!“ und ging dann weiter. Da stand ich nun alleine auf den Stufen der berühmten Igor- Dominick- Ballettschule und überlegte, was ich bis meine Ballettstunde anfängt tun sollte. Da fiel mir ein, dass die Balletttruppe gegenüber eigentlich trainieren müsste und so ging ich über die Straße in die Probenräume der Truppe. Ich fand es immer wieder entzückend wie die Tänzerinnen so schwerelos durch den Raum schwebten. Später, ja später wollte ich hier mal tanzen.

Der November ging schnell herum und alle waren beschäftigt mit den Tanzproben für die Aufführung des „Dezemberkind“. Ich trainierte hart, denn ich wollte unbedingt mittanzen. Es wurden aus jeder Klasse nur wenige auserwählt. Auch die ehrgeizige Daphne und die eingebildete Queenie, die immer mit ihrer berühmten Mutter angeben musste, wollten es natürlich schaffen. Ich war ihnen anscheinend ein Dorn im Auge, denn sie wurden immer gemeiner um mich vom Tanzen abzulenken. Auch Rose, meine Freundin, wurde immer mehr mit dummen Bemerkungen beschmissen. Ich versuchte sie einfach auszublenden.
Eines Morgens kamen endlich Igor Dominick und Madame Volonaise in unsere Stunde, um die Schüler auszuwählen die beim „Dezemberkind“ mittanzen durften. Wir tanzten erst etwas an der Stange vor und hinterher mussten wir alleine einen Teil aus dem „Dezemberkind“ vortanzen. Erst waren Daphne, Queenie und Rose dran und eigentlich sollte ich dann tanzen, doch Madame Volonaise fing plötzlich an mit Igor Dominick irgendetwas zu bereden. Was war los? Dann las sie die Namen und Rollen vor von denen die mittanzen durften. Daphnen und Queenie waren dabei und sogar Rose durfte eine Marktfrau spielen. Gerade wollte Madame Volonaise meinen Namen vorlesen, als Igor Dominick ihr plötzlich ihr etwas zuflüsterte und sie sagte dann: „Entschuldigung, dass war ein versehen!“ Ich durfte nicht mittanzen!!! Warum? War ich etwa so schlecht? Ich wurde bleich und Daphne und Queenie grinsten dabei. Beim rausgehen sagte meine Lehrerin zu mir: „Der Direktor erwartet dich in seinem Büro.“ Ich war geschockt. Sollte ich etwa rausgeschmissen werden? Ich wollte nur noch weg, weg von hier. Heim konnte ich nicht.
Ich verkroch mich in einer alten Abstellkammer, als ich draußen plötzlich die Stimmen von Igor Dominick und Madame Volonaise hörte. Madame Volonaise sagte gerade: „Ist das denn gut für sie? Sie wäre doch die jüngste?“ und als Igor Dominick dann antwortete: „Cindy ist nun bereit, sie tanzt genau so gut wie die älteren!“ wusste ich das die Rede von mir war.
Als ich mich wieder beruhigt hatte, ging ich doch noch zum Büro von Igor Dominick. Nachdem ich eingetreten war sagte er: „Du bist sicher enttäuscht, dass wir dich nicht genommen haben, aber ich habe etwas besseres. Es wird dir bestimmt Freude machen.“ Er machte eine kleine Pause und sagte dann: „Wenn du möchtest und deine Großmutter es dir erlaubt, dann darfst du in der Balletttruppe unserer Schule mittanzen und gleich anfangen mit den Proben für das neue Stück. Ich denke das du nun bereit bist!“ Ich wusste nicht was ich sagen sollte, denn ich war so überwältigt das ich keinen Ton heraus brachte. Das Einzigste was ich noch von mir geben konnte war ein Nicken.

© Theresa von Zepelin

Ich freue mich immer über ernst gemeinte Kommentare & Verbesserungen!
lg fairytale

P.S.: Diese Kurzgeschichte habe ich vor ein paar Jahren im Rahmen einer Schukarbeit geschrieben!

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